Die Rechtsanwälte Michael Simon und Ingo Thiele von der Hanauer Kanzlei Nickel Rechtsanwälte haben die Vertretung des 21-jährigen Beifahrers Fahdi A. übernommen, der in der Silvesternacht bei einem Verkehrsunfall schwerste Verletzungen erlitten hatte. Die Betrauung des Mandats von dem 19-jährigen Fahrer Jamal A. könnte demnächst erfolgen. Dies bestätigte die Kanzlei gegenüber dieser Redaktion nach entsprechenden Berichten der Bild-Zeitung. Der Fall hatte mediales Interesse hervorgerufen, weil als Unfallverursacher der 45-jährige Kevin Russell, Sänger der Band „Böhse Onkelz“, verdächtigt wird. Mittlerweile haben Berichten der Bild-Zeitung zufolge DNA-Auswertungen des Landeskriminalamts den Verdacht verstärkt, so dass ein Ermittlungsverfahren gegen Russel eröffnet wurde. Dem Sänger wird vorgeworfen, am Abend des 31. Dezember unter Drogen- und Alkoholeinfluss das Auto des Fahrers auf der Frankfurter Stadtautobahn A66 gegen die Leitplanke gedrängt und anschließend den Unfallort zu Fuß verlassen zu haben. Die beiden Jugendlichen wurden von anderen Verkehrsteilnehmern aus dem brennenden Auto gezogen und erlitten schwerste Verletzungen. Beide liegen zurzeit im künstlichen Koma.
Der mutmaßliche Unfallverursacher Kevin Russel steitet die Tat bisher ab. Aufgrund der DNA-Auswertungen ermittelt die Staatsanwaltschaft nun jedoch wegen fahrlässiger Körperverletzung, unterlassener Hilfeleistung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Der Fachanwalt für Strafrecht Michael Simon äußerte gegenüber Kanzleien in Deutschland, dass sich sein Mandant einer evtl. erhobenen Klage als Nebenkläger anschließen werde und wies darauf hin, dass er in dem mutmaßlichen Verhalten zudem die Strafbarkeit eines versuchten Totschlags durch Unterlassen und ggf. sogar durch aktives Tun sehe, da die Ermittlungen darauf hindeuteten, dass das Auto der Opfer mit 200 km/h gerammt wurde, was bei dem vermutlichen Drogen- und Alkoholeinfluss für bedingten Tötungsvorsatz spreche. Näheres würde in einer im Laufe des Tages erscheinenden Presseerklärung erfolgen.
Russel wurde als Sänger der deutschen Rockband Böhse Onkelz bekannt. Der geborene Hamburger gründete die Gruppe, die sich anfangs noch „Böse Onkels“ schrieb, 1980 im unterfränkischen Hösbach bei Aschaffenburg mit zwei Freunden. Damals fielen die Musiker vor allem durch provokante Texte, die auf eine rechtsradikale Gesinnung hindeuteten, auf. Dieses Image wurde die Musikgruppe auch nach einer öffentlichen Distanzierung von rechtem Gedankengut und der veränderten Schreibweise des Namens nicht los. Obwohl sämtliche Radio- und Fernsehstationen die Gruppe boykottierten, führten die Alben der Böhsen Onkelz die Hitparaden nach Verkaufszahlen regelmäßig an. 2005 gab die Band ihr letztes Konzert und löste sich danach auf.
Der mit dem Fall betraute Michael Simon ist seit 1993 als Rechtsanwalt zugelassen. Der Fachanwalt für Strafrecht übernahm nach dem Ausscheiden des Kanzleigründers Horst Nickel dessen Strafrechtsdezernat in der Kanzlei Nickel Rechtsanwälte. Sein Kollege Ingo Thiele, Fachanwalt für Versicherungsrecht und Fachanwalt für Verkehrsrecht, hat die Betreuung der zivilrechtlichen Angelegenheiten übernommen.